Mikrowellen-assistierter Organsolv-Aufschluss biogener Reststoffe

Zur Vorbehandlung lignocellulosehaltiger Biomassen für nachfolgende biologische und chemische Konversion werden meist Aufschlüsse in wässrigen Medien genutzt. Dabei kommt es teilweise zur verstärkten Bildung von Inhibitoren durch Degradation von Kohlenhydraten. Außerdem reichern sich monomere Phenole des Lignins in der flüssigen Phase an. Zur Minderung dieser Effekte wurden die Auswirkungen eines mikrowellen-assistierten Organsolv- Aufschlusses am Beispiel Weizenstroh untersucht. Die Degradation einiger Kohlenhydrate nahm ab, phenolische Anteile konnten abgetrennt werden, und die Ausbeute an monomeren Zuckern nahm zu.

Bei Betrachtung der meisten Varianten zur Produktion von Biotreibstoffen existiert ein Zielkonflikt zwischen der Einsparung an Treibhausgasemissionen und einer positiven ökologischen Gesamtbilanz (Zah 2008). Dies liegt sicher an verschiedenen Faktoren. Hier sei auszugsweise auf die Versauerung landwirtschaftlicher Böden, dem Verlust an Biodiversität durch Monokulturanbau und die Auslaugung der Böden durch bestimmte Pflanzenarten hingewiesen. Unter Betrachtung dieser Faktoren und einer exakten Ökobilanzierung zeigt sich, dass biogene Kraftstoffe unter Umständen umweltschädlicher als herkömmliche fossile Kraftstoffe seien können. Trotzdem besteht die Notwendigkeit, neue Herstellungsvarianten zu entwickeln, da flüssige Treibstoffe in mittel- bis langfristigen Energiekonzepten nicht wegzudenken sind. Sie weisen meist hohe Oktanzahlen auf, sind frei von Schwefel und anderen Aromaten. Aus diesem Grund werden in den letzten Jahren verstärkte Anstrengungen unternommen, Biotreibstoffe auslignocellulosehaltigen biogenen Reststoffen zu gewinnen. Diese sind in großen Mengen vorhanden und können meist kostengünstig bereit gestellt werden. Ihr Potenzial ist bei weitem noch nicht erschlossen. Nach einer Studie des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung geht man in der Bundesrepublik Deutschland von einem technisch nutzbaren Potenzialan Rest- und Abfallstoffen zur Bioenergieproduktion von ca. 1.000 PJ/a im Jahr 2020 aus (Mayer et al. 2013). Vor allem sieht man in der fermentativen Nutzung von Ernterückständen, wie beispielhaft Stroh, ein großes Potential. Hier besteht auch eine Infrastruktur. Weiterhin stehen sie nicht in direkter Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion.



Copyright: © Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft der Montanuniversität Leoben
Quelle: Depotech 2014 (November 2014)
Seiten: 33
Preis: € 15,00
Autor: Gunter Weißbach
Hermann Müller
Prof. Dr. Michael Nelles
 
 Diesen Fachartikel kaufen...
(nach Kauf erscheint Ihr Warenkorb oben links)
 Artikel weiterempfehlen
 Artikel nach Login kommentieren


Login

ASK - Unser Kooperationspartner
 
 


Unsere content-Partner
zum aktuellen Verzeichnis



Unsere 3 aktuellsten Fachartikel

Projekt der Hochschule Hof zur Förderung der Nutzung von Wasserkraft in bestehenden Wasseranlagen
© Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (4/2022)
Um den Anteil von erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung in Deutschland auf eine noch wenig genutzte Art und Weise zu erhöhen, hat die Hochschule Hof in dem Projekt NEEWa ein Netzwerk aus Experten und Interessierten aufgebaut, das die Gewinnung von Strom aus Wasserkraft in bestehenden Wasseranlagen stärken soll.

Anforderungen an Entsorgungsanlagen zum Klimaschutz durch die TA Luft und die Allgemeine Verwaltungsvorschrift Abfallbehandlungsanlagen
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH (4/2022)
Der Klimaschutz ist zu einem zentralen Thema unserer Gesellschaft geworden. Gesetzliche Regelung mit dem Ziel, das Klima zu schützen, finden sich daher an verschiedenen Stellen. Dies betrifft auch den anlagen bezogenen Immissionsschutz. Sowohl in der TA Luft als auch in der ABA-VwV finden sich viele Regelung, die dem Klimaschutz dienen. Beide Regelwerke konkretisieren als Verwaltungsvorschriften, die auf der Grundlage des § 48 BlmSchG erlassen wurden, den Stand der Technik.

Relevanz von Klimaschutz in kommunalen Ausschreibungen
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH (4/2022)
Klimarecht wird zukünftig Einzug in nahezu alle Rechtsgebiete gefunden haben und diese ihrem Wesen nach verändern. Schon heute ist Klimaschutz als Teilaspekt des Umweltschutzes wesentlicher Bestandteil des modernen Vergaberechts, das nicht ausschließlich auf monetäre Aspekte abstellt, sondern explizit auch politische Ziele verfolgt. Ob und wie Kommunen im Rahmen der Erteilung öffentlicher Aufträge Aspekte des Klimaschutzes berücksichtigen können oder gar müssen, wird im Nachfolgenden erörtert. Die Darstellung orientiert sich an einzelnen Phasen des Beschaffungsvorgangs.