Endbericht zu einem Projekt im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Landesentwicklung und Umweltfragen in Kooperation mit Neumarkter Lammsbräu und Albert Handtmann Armaturenfabrik GmbH & Co. KG.
Als einer der letzten Schritte des Brauvorganges erfolgt die Klärfiltration des Bieres, die wegen z.B. verlängerter Mindesthaltbarkeitszeiten eine immer größere Rolle in der Bierbereitung einnimmt. Mit Ausnahme von sog. 'naturtrüben Bieren' werden zur Zeit fast 100% aller Biere weltweit noch mittels Kieselgurfiltration geklärt. Durchschnittlich verbraucht eine Brauerei pro hl fertiges Bier rund 175 g Kieselgur; nach Gebrauch ist diese zu entsorgen. Dies führt in der Bundesrepublik zu einer zu entsorgenden Menge von rund 70.100 Tonnen Abfallkieselgur pro Jahr, davon entfallen auf Bayern rund 17.100 Tonnen. Bis vor wenigen Jahren war die Kieselgurentsorgung problemlos. Beimischungen zu den Trebern oder Einleitung in die Kanalisation waren erlaubt und möglich. Mittlerweile enthalten aber fast alle kommunalen Abwassersatzungen (wie auch die Bayerische Mustersatzung) ein Einleiteverbot für feste Stoffe, worunter auch die Kieselgur zu zählen ist. Heute erfolgt deshalb die Entsorgung der Abfallkieselgur überwiegend auf Hausmülldeponien oder durch Ausbringung auf landwirtschaftlich genutzte Flächen. Diese sog. 'landwirtschaftliche Verwertung' stößt aber ähnlich wie diejenige von Klärschlamm oder sogar Kompost auf mehr und mehr Widerstand in der Bevölkerung. Zudem wird nach den Zuordnungskriterien der Abfallablagerungsverordnung (AbfAblV) eine Ablagerung auf Deponien der Klasse I und II ab dem Jahre 2005 nicht mehr möglich sein. Dies wird spätestens zu diesem Zeitpunkt zu Entsorgungsengpässen bzw. drastischen Steigerungen der Entsorgungskosten für die Abfallkieselgur führen.
Die Neumarkter Lammsbräu, das BIfA und die A. Handtmann Armaturenfabrik haben im Rahmen einer ersten Projektphase mit dem Multi-Micro-System (MMS) ein umweltfreundliches kieselgurarmes Filtrationsverfahren für Bier entwickelt. Es stellt einen Meilenstein in der Entwicklung des produktionsintegrierten Umweltschutzes für Brauereien dar. Für Brauereien, die eine sogenannte Eiweiß-Stabilisierung vornehmen, ist die Wirtschaftlichkeit dieses Verfahrens gegenüber vergleichbaren Verfahren bereits heute gegeben. Eine weitere Verschiebung der Wirtschaftlichkeit in Richtung des MMS-Verfahrens ist durch weitere Optimierungen und Erfahrungen in der Praxis durchaus möglich. Auch das Senken der Filterkörperpreise durch größere Produktionsmengen ist absehbar, da sich das MMS-Verfahren als Kaltentkeimungsfiltration bereits etabliert hat. Sollten außerdem die Deponiekosten wieder steigen, ist bereits heute ein Kostenvorteil gegenüber vergleichbaren Verfahren für alle Brauereien gegeben.
Insgesamt steht damit heute die erste wirklich anwendungsfähige Alternative für eine kieselgurarme Filtration in Brauereien zur Verfügung.
Der MMS-Prozess weist jedoch aus Sicht der Ökoeffizienz noch einen Schwachpunkt auf: Für die Vorklärung wird ein Separator (Flüssigkeitszentrifuge) benötigt. Separatoren verursachen zum einen hohe Investitionskosten und verbrauchen zum anderen in ihrem Betrieb relativ viel elektrische Energie.
Copyright: | © bifa Umweltinstitut GmbH |
Quelle: | |
Seiten: | 47 |
Preis: | € 7,50 |
Autor: | Dipl.-Ing. (FH) Markus Hertel Dr. Klaus Hoppenheidt Dipl.-Ing. (FH) Andreas Kottmair Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Rommel |
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