Ein wesentliches Ziel der Vorbehandlung von nichtverwertbaren Siedlungsabfällen ist es, die Verlagerung der heutigen Entsorgungsprobleme auf künftige Generationen zu unterbinden. Ein entscheidendes Problem der bisherigen Ablagerungspraxis liegt in der sehr langen Nachsorgedauer. Die Nachsorgedauer eines Deponiekörpers nach der Einstellung des Ablagerungsbetriebes und Beendigung der Stilllegungsphase wird im wesentlichen durch den Zeitraum bis zum Erreichen einer Sickerwasserkonzentration, die z.B. ein Einleiten in Gewässer ermöglicht, beeinflusst. Die maßgeblichen Sickerwasserbelastungen werden durch organische Verbindungen (erfasst als CSB) durch Stickstoff (als Ammonium) und z. T. durch chlororganische Parameter (als AOX bestimmt) hervorgerufen.
Durch die mechanisch-biologische Abfallvorbehandlung werden die physikalischen und chemischen Eigenschaften des Deponates im Vergleich zu der Situation seit Einführung der geordneten Deponie grundlegend verändert. Die Zerkleinerung der Abfälle bewirkt nicht nur eine Veränderung des Festigkeitsverhalten und der Standsicherheit des Deponiekörpers [3], sondern auch bezüglich der Sickerwasseremissionen (Quantität und Qualität). Es ist mit geringeren Sickerwasservolumina an der Deponiebasis zu rechnen, während ein Abfluss von Oberflächenwasser, welcher im bisherigen Deponiebetrieb mit unbehandelten Siedlungsabfällen kaum aufgetreten ist, zu erwarten ist. Welche Sickerwasservolumina jeweils gebildet werden, hängt zum Einen von den physikalischen Eigenschaften des eingebauten Abfall (z.B. Materialstückgröße, Einbaudichte, Infiltrationsrate) und zum Anderen von der Intensität der Niederschlagsereignisse ab. Bei beiden Wässern ist im Vergleich zu Sickerwässern aus bisher verfüllten Einbauflächen mit einer deutlich geringeren Belastung unerwünschter Inhaltsstoffen zu rechnen, so dass sich auch bezüglich der erforderlichen Reinigungsmaßnahmen Änderungen ergeben können. Der gänzliche Verzicht auf eine Sickerwasserreinigung ist jedoch unwahrscheinlich, dies hängt jedoch von den Randbedingungen der jeweiligen Deponie ab. Erfahrungen zur Qualität der Sickerwässer aus Deponien, die ausschließlich mit MBAMaterialien verfüllt wurden liegen bisher kaum vor. Seit Beginn der 80er Jahre des vergangenen Jahrtausends wurden eine Vielzahl an Versuchen an Deponiesimulationsreaktoren verschiedensten Maßstabes durchgeführt, die Grundtendenzen zu den langfristigen Sickerwasseremissionen aufzeigen können, jedoch nicht die tatsächliche Situation unter den Bedingungen des Deponiebetriebes. Nachdem mit der Abfallablagerungsverordnung die Anforderungen an das Deponat sowie den Betrieb der Deponie konkretisiert wurden, wurden in den letzten Jahren verstärkt Versuche an Testfeldern durchgeführt, um das tatsächliche Emissionsgeschehen besser zu beschreiben. Im Folgenden werden daher keine Ergebnisse von Deponiesimulationsreaktoren dargestellt, sondern der Schwerpunkt liegt auf Ergebnissen, die an Testfeldern gewonnen wurden.
Copyright: | © IWARU, FH Münster |
Quelle: | 9. Münsteraner Abfallwirtschaftstage (2005) (Mai 2005) |
Seiten: | 9 |
Preis: | € 4,50 |
Autor: | Dr.-Ing. Kai Münnich Prof. Dr.-Ing. Klaus Fricke |
Diesen Fachartikel kaufen... (nach Kauf erscheint Ihr Warenkorb oben links) | |
Artikel weiterempfehlen | |
Artikel nach Login kommentieren |
carboliq® - Direktverölung gemischter Kunststoffabfälle
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH (4/2025)
Die Forderung nach Klimaneutralität dominiert die globale Diskussion über die Zukunft der Industriegesellschaft. Damit einher geht auch die Frage, wie der
Umgang mit Kunststoffen in Zukunft erfolgen wird.
Nutzungskonflikt zwischen Carbon-Capture-Anlagen und Fernwärme?
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH (4/2025)
Die EEW Energy from Waste GmbH (EEW) hat sich das Ziel gesetzt, bis 2045 klimaneutral zu werden. Mit 17 Standorten verfügt EEW über eine Verbrennungskapazität von ca. 5 Millionen Tonnen Abfall pro Jahr.
Abfall- und Kreislaufwirtschaft in Deutschland im internationalen Vergleich - Spitzenplatz oder nur noch Mittelmaß?
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH (4/2025)
Neben der Umstellung der künftigen Energieversorgung auf ein zu 100 % erneuerbares Energiesystem ist die Abfall- und Kreislaufwirtschaft die zweite zentrale Säule im Rahmen der globalen Transformation in eine klimaneutrale Wirtschaft und Gesellschaft.