Eine 125 Jahre alte, wasserkraftbetriebene Druckpumpe pumpt jetzt wieder. Das vollständig erhaltene und nun auch wieder voll funktionsfähige Technikdenkmal von 1894 in Schöntal-Aschhausen wurde mit einem Fest eingeweiht. 50 Personen des Fördervereins machten mit Förderung durch das Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg in über 1 000 Arbeitsstunden alles wieder gangbar. Der Firma E. Bosch GmbH (Nattheim) gelang das Verschließen eines Risses im gusseisernen Kolbenmantel.
Bereits um 1871 plante Baurat K. Ehmann (Stuttgart) für Aschhausen - einem Ort mit 270 Einwohnern - eine wasserkraftbetriebene Druckpumpe mit Förderung in ein Reservoir über dem Ort und dem Schloss zu Kosten von 15 700 Mark. Die Alternative von C. Kröber (Stuttgart) landete bei 21 400 Mark. Die erhebliche Finanznot der Gemeinde verhinderte eine rasche Umsetzung. Der extrem trockene Sommer 1893 beschleunigte das Verfahren wieder. Die endgültige Planung wies Kosten von 29 050 Mark aus. Es erfolgten insgesamt vier Genehmigungen durch die Königliche Kreisregierung in Ellwangen: zuerst am 23. Juni 1894 mit weiteren anno 1895, 1899 (Wehrerhöhung) und 1924. Die 'Gräflich von Zeppelin`sche Verwaltung" gestattete der Gemeinde die Errichtung der Anlagen, da nur der Platz des Reservoirs im Besitz war. Der gräfliche Gutspächter O. Schnurrer, erster gemeindlicher Bediensteter zur Betreuung der Anlage für 12 Jahre, richtete auf eigene Rechnung gleich den Dynamo zur Erzeugung von elektrischer Kraft mit ein, vergrößerte dazu das Wasserrad von 1 auf 1,3 m. Ebenso war für Akkumulatoren (Speicherung) ein weiteres Stockwerk vonnöten. Die Herstellung schloss mit 32 409,90 Mark ab. Die bauliche Fertigstellung erfolgte bereits Ende 1894.
Das feste Überfallwehr war 8,50 m lang und zunächst 0,57 m hoch mit späterem hölzernen Aufsatz von 30 cm. Links am Wehr liegt der Kanaleinlass mit Fallengestell, am rechten Ende gab es einen Fischweg mit Neigung 1:6. Der 431 m lange Zulaufkanal besteht aus Röhren mit Durchmesser 60 cm, deren Scheitel zumeist vermutlich bei heftigem Frost aufgeschlagen wurden, um die Eisbildung und damit Minderung des Zuflusses aufzuheben. Mit einer Leerschussfalle wird der Zulauf zum Rechen ins Pumpengebäude geregelt. Im rechten Raum des Gebäudes ist das eiserne genietete oberschlächtige Wasserrad mit Radfalle mit 3,60 m Durchmesser untergebracht. Die maximal 12 PS (bei
200 l/s) treiben ein Stirnrad mit Durchmesser von 2,10 m im linken Raum an. Ein Stirnrad mit Durchmesser 0,54 m übergibt die Kraft auf die Kurbelwelle mit Kugelscheibe und auf die Kolbenstange. Die Pumpe der Maschinenfabrik G. Kuhn (Stuttgart-Berg) ist eine liegende, doppeltwirkende Kolbenpumpe mit Ledermanschette und Windkessel. Es können damit 2,3 l/s gefördert werden. Ein Schwungrad mit Durchmesser 1,60 m diente gleichzeitig als Riemenscheibe für den Dynamo, der eine Spannung von 110 V mit 54 A Stärke erzeugte.
Copyright: | © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH |
Quelle: | Wasserwirtschaft - Heft 11 (November 2019) |
Seiten: | 2 |
Preis: | € 10,90 |
Autor: | Dipl.-Ing. (FH), M. Sc. Horst Geiger |
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