Eine Weiterentwicklung des bestehenden linienhaften Küstenschutzes hin zu mehr in der Fläche orientierten Küstenschutzkonzepten wird vorgestellt. Der Hauptdeich als wichtigster Bestandteil des Schutzsystems wird hierbei durch Strukturen in der Fläche in seiner Sicherungswirkung ergänzt. Mit der Etablierung multifunktionaler Küstenschutzräume bestünde die Möglichkeit der Umsetzung bereits im vorherigen Jahrhundert angeregter 'Back-up'-Konzepte auch im Küstenschutz.
Albert Brahms überlegte bereits um 1754 basierend auf Naturbeobachtungen das bisherige Profil des Deiches zu verändern [1]. Mit der Herangehensweise von Brahms wurde die 'Gott gegebene Bestrafung', als die eine Sturmflut angesehen wurde, in eine ingenieurwissenschaftliche Aufgabe umgewandelt. Seither beruht der Schutz der Menschen an der Küste auf ihren technischen Fähigkeiten, die sich im Laufe der Jahrhunderte immer weiter verbesserten. Trotz verheerender Rückschläge, besonders im Mittelalter, ist die heutige Deichlinie so sicher wie nie zuvor! Nach den Erfahrungen aus den Sturmfluten 1953 in den Niederlanden und 1962 in Norddeutschland wurde ein technisches Sicherheitsmaß eingeführt [2, 3]. Auf der Grundlage dieser Entwicklungen wird im Niedersächsischen Deichgesetz (NDG) mittels Anwendung zweier Verfahren (Einzelwertverfahren, Vergleichswertverfahren) ein Bemessungswasserstand ermittelt, der das Sicherheitsmaß für das Küstenschutzelement 'Hauptdeich' bestimmt [4]. Dieses Sicherheitsmaß dient der Bestimmung der Wehrhaftigkeit des technischen Bauwerkes 'Deich'. In der Berechnung werden sowohl gemessene Naturwerte als auch errechnete Mittelwerte aus Wasserständen plus eines Sicherheitszuschlages (Klimazuschlag in Niedersachsen) berücksichtigt. Wie bei jedem technischen Bauwerk (Kernreaktor, Industrieanlage) so existiert auch für die Küstenschutzelemente (Deich, Damm, Sperrwerk) eine Versagenswahrscheinlichkeit. Auch wenn diese noch so gering ist, es bleibt ein so genanntes 'Restrisiko' dafür, dass die Schutzlinie versagt [5]. Eine erste kartografische Darstellung von Sturmflutrisiken wurden durch die in 2014 veröffentlichten Hochwasserrisiko- und -gefahrenkarten auf der Basis der europäischen Hochwasserrisikomanagement Richtlinie (EU HWRMRL) aus 2007 durchgeführt. Basierend auf der vereinfachten Bestimmung von Überstauungshöhen im niedersächsischen Küstenraum ist zu erkennen, dass das Schadenspotenzial erheblich ist. Eine Methodik zur genaueren Bestimmung des Schadenspotenzials wurde im z. B. in den Forschungsvorhaben HoRisK [18] oder MERK [32] vorgestellt. Aus der Notwendigkeit heraus auf zwei wesentliche Entwicklungen zu reagieren, wäre die Weiterentwicklung der Küstenschutzstrategie wünschenswert [6, 7, 8]: zum einen, um sich einem sich verändernden Klima und den sich daraus ergebenden Folgen effektiver anzupassen und zum anderen um der Umsetzung der EU HWRM-RL gerecht zu werden. Im Sinne eines Küstenrisikomanagements böten multifunktionale Küstenschutzräume die in den nachfolgenden Abschnitten dargestellten Vorteile. Die folgenden Ausführungen sind die gekürzte Fassung einer umfangreicheren Studie, die in 2017 durchgeführt wurde [8].
Copyright: | © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH |
Quelle: | Wasser und Abfall 04 - 2019 (April 2019) |
Seiten: | 6 |
Preis: | € 10,90 |
Autor: | Dr. Frank Ahlhorn Dr. Jürgen Meyerdirks |
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