Unter den Begriffen 'Waste to Chemicals' bzw. 'chemisches Recycling' wird in der Abfallwirtschaft die rohstoffliche Verwertung vor allem von Kunststoffabfällen verstanden. In den Prozessketten der chemischen Industrie werden durch die rohstoffliche Verwertung von Altkunststoffen wieder Neuwarenqualitäten erzeugt.
Vor dem Hintergrund eines weiter wachsenden Verpackungsabfallaufkommens, des zunehmenden Mikroplastikanteils in den Ozeanen und des weitgehenden Importstopps Chinas für Kunststoffabfälle hat die EU-Kommission im Januar 2018 die Kunststoffabfallstrategie veröffentlicht, um den Umgang mit Kunststoffen neu zu regeln. Die von den einzelnen EU-Staaten individuell zu ergreifenden Maßnahmen zielen derzeit insbesondere auf Vermeidung von Verpackungsabfällen ab. Eine besondere Herausforderung bleibt die signifikante Erhöhung des tatsächlichen stofflichen Verwertungsanteils der Kunststoffe als Teil der Siedlungsabfälle, um den erforderlichen Anstieg der Recyclingquote zu erreichen. Hemmnisse für das stoffliche Recycling von Kunststoffabfällen sind Verbundwerkstoffe, der Anfall der Produkte am Ende des Lebenszyklus in komplexen Stoffgemischen und die damit verbundenen hohen Kosten der Trennung, oder die Sicherstellung der Qualität der Sekundärrohstoffe, um ein Downcycling zu minimieren. Der Verwertungsanteil ist bei Produktionsabfällen aufgrund des oft sortenreinen und wenig verunreinigten Aufkommens höher als bei den Post-Consumer-Abfällen. Nur ein sehr geringer Anteil der kunststoffhaltigen Abfälle wird derzeit rohstofflich verwertet. Es stellt sich die Frage, welchen Beitrag rohstoffliches Recycling ('chemisches Recycling', 'Waste-to-Chemicals') als Ergänzung zu der Sortierung sowie der thermischen Verwertung zur Schließung des anthropogenen Kohlenstoffkreislaufs und zur Senkung des fossilen Rohstoffanteils in den Produkten der chemischen Industrie liefern kann. Die vorliegende Studie hatte zum Ziel, technologische Potenziale und Hürden beim chemischen Recycling gemischter kunststoffhaltiger Abfälle aufzuzeigen. Hierzu werden in Anwendung auf reale kunststoffhaltige Abfallfraktionen vollständige exemplarische Prozessketten der Umwandlung in repräsentative chemische Grundstoffe techno-ökonomisch bewertet. Die Prozessketten bestehen aus einer dem Umwandlungsverfahren angepassten Vorbehandlung der Einsatzstoffe, dem eigentlichen thermochemischen Umwandlungsprozess und einer Aufarbeitung der Rohprodukte zur Erfüllung der Spezifikation der gewünschten chemischen Grundstoffe.
Copyright: | © Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH |
Quelle: | 31. Abfall- und Ressourcenforum 2019 (April 2019) |
Seiten: | 2 |
Preis: | € 1,00 |
Autor: | Prof. Dr.-Ing. Helmut Seifert M.Sc. Manuela Wexler Prof. Dr.-Ing. Dieter Stapf |
Diesen Fachartikel kaufen... (nach Kauf erscheint Ihr Warenkorb oben links) | |
Artikel weiterempfehlen | |
Artikel nach Login kommentieren |
carboliq® - Direktverölung gemischter Kunststoffabfälle
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH (4/2025)
Die Forderung nach Klimaneutralität dominiert die globale Diskussion über die Zukunft der Industriegesellschaft. Damit einher geht auch die Frage, wie der
Umgang mit Kunststoffen in Zukunft erfolgen wird.
Nutzungskonflikt zwischen Carbon-Capture-Anlagen und Fernwärme?
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH (4/2025)
Die EEW Energy from Waste GmbH (EEW) hat sich das Ziel gesetzt, bis 2045 klimaneutral zu werden. Mit 17 Standorten verfügt EEW über eine Verbrennungskapazität von ca. 5 Millionen Tonnen Abfall pro Jahr.
Abfall- und Kreislaufwirtschaft in Deutschland im internationalen Vergleich - Spitzenplatz oder nur noch Mittelmaß?
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH (4/2025)
Neben der Umstellung der künftigen Energieversorgung auf ein zu 100 % erneuerbares Energiesystem ist die Abfall- und Kreislaufwirtschaft die zweite zentrale Säule im Rahmen der globalen Transformation in eine klimaneutrale Wirtschaft und Gesellschaft.