Sackgassenwirkung von Ausleitungskraftwerken für stromaufwärts wandernde Fische

An einem Ausleitungsstandort wurde untersucht, welchem Weg stromaufwärts wandernde Fische wählen: den Unterwasserkanal zum Krafthaus oder das Mutterbett zum Ausleitungswehr. Die Antwort auf diese Frage entscheidet über die richtige oder falsche Positionierung einer Fischaufstiegsanlage.

Vielfach ist in der Fachliteratur und Handbüchern, ebenso wie im deutschsprachigen Regelwerk nachzulesen, dass sich aufwandernde Fische in einem Gewässerquerschnitt stets an der Hauptströmung orientieren, die sie im Falle von Ausleitungskraftwerken über den Turbinenuntergraben zum Krafthaus leitet (Bild 1) u. a. [1, 2, 3]. Dennoch werden Fischaufstiegsanlagen an Ausleitungsstandorten zu weit mehr als 80 % nicht am Krafthaus, sondern am Ausleitungswehr errichtet. Dies ist einerseits darin begründet, dass der bautechnisch erforderliche Aufwand und die Kosten für eine Aufstiegsanlage am Wehr meist wesentlich geringer sind. Andererseits sind mangels geeigneter Methoden Belege dafür rar, wie sich aufwandernde Fische tatsächlich an der Einmündung des Unterwasserkanals ins Mutterbett verhalten, d. h. welchen der beiden Wanderkorridore sie wählen.  Insofern wird immer wieder diskutiert, ob es den postulierten Sackgasseneffekt wirklich gibt, wie evident er ist und wie hoch der Zeitverlust ist, bis sich Fische aus einer Sackgasse, z. B. dem Turbinenuntergraben in das Mutterbett umorientieren. Mittels RFID-Technik (Radio Frequency Identification) wurde diese Frage im Rahmen einer 11-monatigen Studie in den Jahren 2016 und 2017 im Auftrag der Bezirksregierung Arnsberg am Ausleitungskraftwerk Niedermarsberg im nordrhein-westfälischen Abschnitt der Diemel untersucht.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasser und Abfall 07/08 - 2018 (Juli 2018)
Seiten: 5
Preis: € 0,00
Autor: Dr. Ulrich Schwevers
Dr. Beate Adam
 
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