Vernässungsprobleme durch hohe Grundwasserstände und Wiederanstieg des Grundwassers im Rheinischen Braunkohlenrevier

Vernässungsbedingte Gebäudeschäden bei hohen Grundwasserständen stellen ein zunehmendes Problem in Niederungsgebieten des Rheinischen Braunkohlenreviers dar, sofern Häuser unangepasst gebaut worden sind. Daher ist die Bereitstellung von Bemessungsgrundwasserständen eine wichtige Grundlage für bauliche Maßnahmen gegen drückendes Grundwasser. In Korschenbroich wurde ein hydraulisches Lösungskonzept zur Kappung von Grundwasserspitzen umgesetzt, um die Zahl der von Vernässungsschäden betroffenen Gebäude wirkungsvoll zu reduzieren.

In vielen Regionen Deutschlands wird von einer Zunahme vernässungsbedingter Gebäudeschäden durch hohe Grundwasserstände berichtet [1]. Diese treten z. B. in Folge witterungsbedingtem Grundwasseranstieg oder eines Rückgangs bzw. der Einstellung von Grundwasserförderungen in Gebieten mit natürlicherweise flurnahen Grundwasserverhältnissen auf. Vielfach sind diese Vernässungsschäden auf eine nicht angepasste Bauweise gegen drückendes Grundwasser zurückzuführen. Nach der gültigen Rechtsprechung sind Bauherren und Architekten verpflichtet, Informationen über den Untergrundaufbau und höchste zu erwartende Grundwasserstände (Bemessungsgrundwasserstände) einzuholen und ggf. erforderliche bauliche Maßnahmen vorzusehen [2]. Der Bemessungsgrundwasserstand ist dabei der Grundwasserhöchststand, der sich witterungsbedingt und unbeeinflusst von jeglicher anthropogenen Grundwasserabsenkung einstellen kann [3].

Im Rheinischen Braunkohlenrevier unterliegen weite Bereiche sümpfungsbedingten Absenkungen des Grundwasserspiegels. Gebiete mit ursprünglich flurnah anstehendem Grundwasser können hierdurch über lange Zeiträume Änderungen in der Landbewirtschaftung erfahren. Zum Teil wurden trotz entsprechender Hinweise von Behörden sowie des Bergbauunternehmens in Niederungsgebieten Baugebiete ausgewiesen und Gebäude ohne Vorkehrungen zum Schutz vor hohen Grundwasserständen errichtet. Mit dem allmählichen Wiederanstieg der Grundwasserstände werden sich in diesen Gebieten vermehrt Grundwasserschäden einstellen, die bei angepasster Bauweise hätten vermieden werden können.

Im Folgenden werden exemplarisch Vernässungsprobleme durch hohe Grundwasserstände im Tätigkeitsgebiet des Erftverbandes, einem sondergesetzlichen Wasserwirtschaftsverband im Westen Nordrhein-Westfalens, aufgezeigt und Beispiele im Bundesgebiet gegenübergestellt.


[1] BWK: Nutzungskonflikte bei hohen Grundwasserständen - Lösungsansätze. Statusbericht. Bericht 1/2003. - Düsseldorf, 2003.
[2] Oberlandesgericht Düsseldorf, Urteil vom 18.12.2002, AZ: 18 U 88/02.
[3] BWK: Ermittlung des Bemessungsgrundwasserstands für Bauwerksabdichtungen. Merkblatt BWK-M8. - Düsseldorf, 2009.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasser und Abfall 07-08/2014 (September 2014)
Seiten: 5
Preis: € 10,90
Autor: Dipl.-Geoökol. Stefan Simon
 
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