Einfluss von Calciumspezies auf Korrosion und Verschmutzung in MVA und EBS-Kraftwerken

Das Element Calcium ist das fünfthäufigste Element der Erdkruste. In der Biosphäre ist Calcium der bedeutendste Bestandteil für tragende und schützende Bestandteile von tierischen Lebewe-sen. Knochen, Schalen, Gehäuse und auch Zähne bestehen bevorzugt aus calciumreichen Pha-sen. Auf diese Weise wurden Calciumphasen in der jüngeren Erdgeschichte Bestandteil bedeut-samer gesteinsbildender Prozesse. Der Kreislauf des Calciums in Bio- und Geosystemen auf den Kontinenten und in den Meeren ist geprägt durch die Bindung als Carbonat. Dessen (pH-abhängige) Löslichkeit in Wasser ist die Voraussetzung für den stetigen Transport vom Land zum Meer, die biologische Nutzung und die Bildung mächtiger Meeressedimente, die dann im Zuge gebirgsbildender Prozesse wieder zu Landmassen werden (z.B. Kalkalpen, Dolomiten).

Calcium ist ein Element, das in technischen Produkten und somit auch in Abfällen häufig vorkommt, und dessen Auswirkung in den Abfällen jedoch meist unterschätzt wird. Die häufigsten Calciumphasen, die in den Verbrennungsrückständen nachzuweisen sind, sind Calciumsilikat und Calciumsulfat, die beide nur eine sekundäre Wirkung auf die Ver-schmutzung und keine Auswirkung auf die Korrosion in den MVA und EBS-Kraftwerken zei-gen. Als weitere Phasen können Calciumchloridphasen genannt werden, die bei verstärktem Auftreten auch massive Auswirkungen auf die Verfügbarkeit der Anlagen haben können. Bei ungünstigen Bedingungen können die Calciumchloridphasen durch niedrige Schmelzpunkte bei den gegebenen Rauchgas-Temperaturen in geschmolzenem Zustand vorliegen und somit durch klebrige Oberflächen ein schnelles Anwachsen harter Beläge verursachen, die zum Abfahren der Anlagen zwingen. Desweiteren können sich Calciumchloridphasen korrosionsbegünstigend auswirken. Einerseits kann Calciumchlorid durch Wechselwirkung mit dem Kesselstahl indirekt (durch Stabilisierung des Eisenchlorids) Hochtemperatur-Chlorkorrosion auslösen, andererseits kann Calciumchlorid am kalten Ende des Kessels korrosiv wirken.



Copyright: © Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft der Montanuniversität Leoben
Quelle: Depotech 2012 (November 2012)
Seiten: 8
Preis: € 4,00
Autor: Dr. Wolfgang Spiegel
Dr. Gabriele Magel
Dipl.-Mineraloge Wolfgang Müller
 
 Diesen Fachartikel kaufen...
(nach Kauf erscheint Ihr Warenkorb oben links)
 Artikel weiterempfehlen
 Artikel nach Login kommentieren


Login

ASK - Unser Kooperationspartner
 
 


Unsere content-Partner
zum aktuellen Verzeichnis



Unsere 3 aktuellsten Fachartikel

carboliq® - Direktverölung gemischter Kunststoffabfälle
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH (4/2025)
Die Forderung nach Klimaneutralität dominiert die globale Diskussion über die Zukunft der Industriegesellschaft. Damit einher geht auch die Frage, wie der Umgang mit Kunststoffen in Zukunft erfolgen wird.

Nutzungskonflikt zwischen Carbon-Capture-Anlagen und Fernwärme?
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH (4/2025)
Die EEW Energy from Waste GmbH (EEW) hat sich das Ziel gesetzt, bis 2045 klimaneutral zu werden. Mit 17 Standorten verfügt EEW über eine Verbrennungskapazität von ca. 5 Millionen Tonnen Abfall pro Jahr.

Abfall- und Kreislaufwirtschaft in Deutschland im internationalen Vergleich - Spitzenplatz oder nur noch Mittelmaß?
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH (4/2025)
Neben der Umstellung der künftigen Energieversorgung auf ein zu 100 % erneuerbares Energiesystem ist die Abfall- und Kreislaufwirtschaft die zweite zentrale Säule im Rahmen der globalen Transformation in eine klimaneutrale Wirtschaft und Gesellschaft.