Umsetzung der HTC in den kommerziellen Massstab am Beispiel der AVA-CO2

Die Bioenergie, das heißt die energetische Nutzung von Biomasse, ist weltweit der Bereich der erneuerbaren Energien, der mit 40 bis 55 Exajoule/Jahr oder einem Anteil von rund 12 % am derzeitigen Primärenergieverbrauch (PEV) den größten Beitrag zur Energieversorgung liefert. Der weitaus größte Teil dient jedoch der traditionellen Feuerung. Moderne Verfahren nehmen gegenwärtig nur einen Bruchteil ein. Es ist davon auszugehen, dass sich dies in naher Zukunft dank der industriellen Umsetzung der hydrothermale Carbonisierung ändern wird.

Die jährlich anfallende Gesamtmasse biogener Rest- und Abfallstoffe ist nicht bekannt, da diese statistisch noch nicht erfasst wird. Auf Grund von Zahlen aus zum Beispiel der weltweiten Palmöl- oder Zuckerherstellung muss das Potenzial an weltweit verfügbaren und noch nicht, oder nur ungenügend genutzten feuchten oder nassen biogenen Reststoffen als enorm bezeichnet werden. Auch in Deutschland sind noch beachtliche bisher ungenutzte Mengen an Biomassen für die energetische Verwertung mit Hilfe der hydrothermalen Carbonisierung verfügbar. Beispielhaft sei hier nur die effiziente Verwertung von Klärschlamm erwähnt.
Biokohle besitzt ein entscheidendes Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen erneuerbaren Energien. Sie ist Grundlastfähig und kann dadurch die Schwankungen bei der Stromerzeugung mit Wind, Photovoltaik oder Biogas ausgleichen. Zudem besitzt die Biokohle gegenüber Biomassen oder auch Holz-Pellets Vorteile bei der Lagerung da die Kohle fast keine Feuchtigkeit aufnimmt. Die hohe Energiedicht von 20-30 MJ/kg. erlaubt zudem einen kostengünstigen Transport und bei der Verwertung kann bestehende Infrastruktur verwendet werden.
Ein Schwachpunkt der hydrothermalen Carbonisierung war bisher die fehlende industrielle Umsetzung. Zwar haben Versuche in kleinen Autoklaven an verschiedenen Universitäten und Forschungsinstituten die Vorteile der HTC aufgezeigt, die kommerzielle Umsetzung hat jedoch bis jetzt noch nicht stattgefunden. Der Schritt aus der Forschung in die kommerzielle Umsetzung erfordert eine Pilotanlage im industriellen Maßstab um diverse prozesstechnische Fragen zur HTC beantworten zu können. Mit der Inbetriebnahme der HTC-0 Anlage hat AVA-CO2 im Oktober 2010 diesen Schritt gemacht und in den letzten 21 Monaten wertvolle Erkenntnisse gesammelt. Das Ergebnis ist ein hoch effizienter, proprietärer Multi-Batch-Prozess. 2012 wird eine AVA-CO2 Kunde aus dem Energiebereich die weltweite erste kommerzielle HTC-Anlage in Betrieb nehmen.



Copyright: © HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst - Fakultät Ressourcenmanagement
Quelle: 73. Symposium 2012 (Oktober 2012)
Seiten: 9
Preis: € 0,00
Autor: Thomas Kläusli
 
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