Bedeutung von Schadstoffsenken im Wandel der Zeit

Der weltweite Handel von Recyclingrohstoffen und Konsumprodukten führt zu einer Verbreitung von Schadstoffen auf verschiedenen Wegen. Die moderne Restabfallverbrennungsanlage bleibt die Senke für schadstoffhaltige Abfallkomponenten; dies solange, wie sich die Rezepturen für die Produkte nicht ändern, bzw. die schadstoffhaltigen Anteile aus den Gebrauchsgütern vor einem Recycling entfernt werden können.

Von Schadstoffen in Gebrauchsgütern kann man im eigentlichen Sinne nicht Reden, solange sie gewollte Bestandteile eines Produktes darstellen und dem Produkt eine gewünschte Eigenschaft geben, die für die Nutzung, Langlebigkeit und Sicherheit von Bedeutung ist. Schon beim Gebrauch können unerwünschte Moleküle in geringen Mengen freigesetzt werden. Aber erst bei der Überführung der Produkte in die Abfall- und Recyclingwirtschaft können größere Anteile in schadstoffrelevanten Konzentrationen in Recyclingprodukte überführt oder an die Umwelt abgegeben werden.
Dabei hat sich die Wahrnehmung und Bedeutung von Schadsoffen in der Abfallwirtschaft im Laufe der Zeit erheblich gewandelt. Ursprünglich hatten abfallwirtschaftliche Maßnahmen eine gesundheitspolitische Aufgabe. Die hygienische, staubfreie Erfassung und Beseitigung der Abfälle mit der gezielten Kontrolle und Abtötung der Krankheitskeime standen im Vordergrund. Mit den steigenden Abfallmengen begann ein langsames Umdenken, das aber erst durch eine verbesserte Mess- und Analysetechnik eine Freisetzung von Schadkomponenten nachweisen konnte. Aus diesem Grund standen in den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts die Schwermetalle im Vordergrund. Inzwischen ist die Analysetechnik so weiter entwickelt worden, dass eine Millionen mal geringere Konzentrationen auch von organischen Schadmolekülen routinemäßig und preiswert nachgewiesen werden können, so dass die öffentliche Diskussion sich verstärkt auf die organischen Schadstoffe konzentriert.
In einer Reihe von Forschungsvorhaben wurden seit 1982 an der TU Berlin und der TU Dresden Abfallbestandteile in Einzelfraktionen aus Haushaltsabfällen im Hinblick auf Schwermetalle charakterisiert und organische Schadstoffe in weiteren Vorhaben untersucht. Die Analyse der Ergebnisse erlaubt eine Abschätzung zur aktuellen Schwermetallbelastung von Abfallbestandteilen in der Bundesrepublik und durch die wiederholte unabhängige Beprobung auch Aussagen zur Spannbreite, in der sich die Schwermetallkonzentration der betrachteten Fraktionen bewegen kann.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasser und Abfall 04/2012 (April 2012)
Seiten: 6
Preis: € 10,90
Autor: Prof. Dr.-Ing. habil. Dr. h.c. Bernd Bilitewski
 
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