Verockerung im Grundwasserleiter eines Brunnens nach 38 Jahren Laufzeit

Die räumliche Verteilung von Verockerungen in und um Brunnen kann sehr heterogen sein. Offensichtlich spielt dabei die Zuflussverteilung im Brunnenfilter eine große Rolle: Meist kräftiger verockert sind stark durchflossene Bereiche, wie Filterober- und Unterkante bzw. gut durchlässige Abschnitte des Grundwasserleiters. Die Untersuchung der Verockerungsverteilung außerhalb des Filters, d. h. im Ringraum und im angrenzenden Grundwasserleiter, ist sehr schwierig. Nach bisherigen Erkenntnissen sollten Verockerungen nur im Ringraum vorkommen. Kernbohrungen an einem 38 Jahre alten Brunnen zeigten jedoch, dass Inkrustationen bis zu mehrere Meter in den Grundwasserleiter hineinreichen können. Dort sind sie durch Regenerierungen kaum zu erreichen.

Die öffentliche Wasserversorgung in Deutschland, besonders im Norden des Landes, beruht im Wesentlichen auf Grundwasser, das aus zahlreichen Brunnen gefördert wird. Eines der größten Probleme dabei ist die sogenannte Verockerung, d. h. die Abscheidung von festen Oxiden des Eisens bzw. Mangans, die den Brunnen und den Filterkies zusetzen. Dadurch bedingte erhöhte Eintrittswiderstände lassen die Förderkosten steigen. Auch die regelmäßig nötigen Reinigungen des Brunnens verursachen einen hohen volkswirtschaftlichen Schaden. Aus vielen Kamerabefahrungen ist bekannt, dass die Verockerung im Brunnen oft inhomogen verteilt ist. Die Kenntnis der räumlichen Verteilung ist wichtig, um Regeneriermaßnahmen planen zu können. So macht es wenig Sinn, nicht belastete Bereiche umfangreich zu reinigen, besonders mit Chemikalien. Häufig finden sich mehr Inkrustationen im oberen Teil des Filters als im unteren. Auch ist oft in der Horizontalen eine ungleichmäßige Verteilung zu sehen, d. h. eine Hälfte des Rohres ist stärker verockert als die andere. Zurückgeführt wird dies auf die ungleichmäßige Verteilung der Strömung über den Filter, wobei die stärkste Verockerung in den Bereichen größten Zuflusses auftritt. Dies wird durch Massenbilanzierungen bei (chemischen) Regenerierungen und Kernbohrungen durch den Ringraum aufgegebener Brunnen bestätigt.
Um die Inkrustationsverteilung in und um einen Trinkwasserbrunnen mit langer Laufzeit zu untersuchen, wurde ein Brunnen des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV) detailliert untersucht.



Copyright: © wvgw Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft Gas und Wasser mbH
Quelle: Heft 11 - 2011 (November 2011)
Seiten: 6
Preis: € 6,00
Autor: Dr. Georg Houben
Dpl.-Ing. Ulrich Weihe
 
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