Produktverantwortung für stoffgleiche Nichtverpackungen - Finanzierungsmodell für die Wertstofftonne?

Die Fortentwicklung der Verpackungsverordnung zu einer Wertstoffverordnung (Einführung einer einheitlichen Wertstofferfassung) gehört zu den zentralen abfallwirtschaftlichen Vorhaben der Bundesregierung für die laufende Legislaturperiode. Ziel ist es, Wertstoffe, die gegenwärtig noch über den Restmüll entsorgt werden, einem hochwertigen Recycling zuzuführen. Die Möglichkeit der Miterfassung stoffgleicher Nichtverpackungsabfälle in der 'Gelben Tonne' bzw. im 'Gelben Sack' hat die Bundesregierung bereits mit der 5. Novelle der Verpackungsverordnung eröffnet.

 Die Novelle des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes legt nun einen ersten Grundstein für die bundesweite Einführung einer einheitlichen, haushaltsnahen Wertstofferfassung3. Um die Diskussion über die Ausgestaltung, Organisation, Trägerschaft und Finanzierung dieses neuen Erfassungssystems auf eine solide wissenschaftliche Grundlage zu stellen, hat das Umweltbundesamt eine Reihe von Forschungsvorhaben in Auftrag gegeben, welche die Grundlage für das vom Bundesrat erbetene Planspiel4 zur Fortentwicklung der Verpackungsverordnung bilden: (1) Die Untersuchung der Cyclos GmbH in Kooperation mit der HTP Ingenieurgesellschaft5 widmet sich der Frage nach der Idealzusammensetzung einer 'trockenen Wertstofftonne'. Auf der Grundlage bereits laufender Modellvorhaben sowie nach Auswertung der vorliegenden Sortieranalysen zum Inhalt der 'Gelben Tonne' und zur Zusammensetzung des Restmülls erörtern die Forschungsnehmer insbesondere die Vor- und Nachteile eines auf die Miterfassung von sog. 'stoffgleichen Nichtverpackungsabfällen' (Kunststoffe, Metalle) beschränkten Konzepts im Vergleich zur zusätzlichen Miterfassung sog. 'nicht-stoffgleicher Nichtverpackungsabfälle' (Elektround Elektronikgeräte, Batterien, Holz, Gummi, Textilien). Ergebnis ist eine klare Empfehlung für eine Miterfassung von stoffgleichen Nichtverpackungsabfällen, also für Kunststoffe und Metalle. Die Miterfassung dieser Materialien in einer Wertstofftonne lässt einen Zuwachs der getrennt erfassten Menge von ca. 7 kg pro Einwohner und Jahr erwarten, was ca. 570.000 t pro Jahr entspricht. Nicht-stoffgleiche Nichtverpackungsabfälle sollen hingegen grundsätzlich nicht einbezogen werden. Für Altpapier, Altglas, Altbatterien und Altgeräte wird eine Beibehaltung bzw. Optimierung der bestehenden Monoerfassungsstrukturen empfohlen.



Copyright: © TU Dresden - Institut für Abfall- und Kreislaufwirtschaft
Quelle: 20 Jahre Abfallwirtschaft, Herstellerverantwortung, Produktpolitik (September 2011)
Seiten: 12
Preis: € 0,00
Autor: Jürgen Seitel
 
 Artikel nach Login kostenfrei anzeigen
 Artikel weiterempfehlen
 Artikel nach Login kommentieren


Login

ASK - Unser Kooperationspartner
 
 


Unsere content-Partner
zum aktuellen Verzeichnis



Unsere 3 aktuellsten Fachartikel

Stand der Pumpspeicher in Deutschland 2025
© Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (12/2025)
Infolge des Ausbaus der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ist ein erhöhter Speicherbedarf im Stromverbundnetz notwendig. Hierdurch steigt die Bedeutung von Pumpspeichern als bis auf weiteres einzige Möglichkeit für eine großmaßstäbliche Stromspeicherung.

Pumpspeicherkraftwerke - Empfehlungen zur Verkuerzung und Vereinfachung von Genehmigungsverfahren in Deutschland
© Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (12/2025)
Die Genehmigungsverfahren sind sehr komplex sowie mit hohen Kosten und rechtlichen Unsicherheiten verbunden und dauern oftmals mehr als zehn Jahre.

Revitalisierung des Pumpspeicherwerks Happurg - Sanierung des Oberbeckens
© Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (12/2025)
Im Rahmen der Revitalisierung des Pumpspeicherwerks Happurg haben im September 2024 auch die Arbeiten zur Sanierung des zugehörigen Oberbeckens begonnen.