Auch aus geschlossenen Siedlungsabfalldeponien emittiert noch über Jahr-zehnte Deponiegas. Eine energetische Gasnutzung ist dabei an vielen Deponien 10 bis 15 Jahre nach Beendigung der Abfallablagerung möglich. Nach Abschluss einer energetischen Nutzung wäre noch eine langfristige Deponierestgasbehandlung erforderlich, um eine konsequente Vermeidung von Methanemissionen in die Atmosphäre zu gewährleisten.
Es gibt keine verbindlichen quantitativen Kriterien, wie lange die Erfassung und Behandlung von Deponiegas erfolgen soll. Ein pragmatisches Kriterium wäre die technische und wirtschaftliche Zumutbarkeit. Ein emissionsbezogenes Kriterium wurde dahingehend vorgeschlagen, dass verbleibende Methanemissionen so gering sein sollten (≤ 0,5 l CH4/m2*h), dass sie per Methanoxidation in der Rekultivierungsschicht weitgehend abgebaut werden.
Die aerobe in situ Stabilisierung ist eine effiziente Methode, um die Entstehung von Deponieschwachgasen langfristig und nachhaltig zu unterbinden; sie kann somit für den Klimaschutz einen wichtigen Beitrag leisten. Das Emissionsminderungspotenzial auf deutschen Deponien in der Stilllegungsphase- und Nachsorgephase ist noch erheblich. Daher ist eine Anerkennung als Klimaschutzbeitrag durchaus zielführend und anzustreben, um die aerobe in situ Stabilisierung in den Emissionshandel in Form eines JI-PoA integrieren zu können. Voraussetzung ist eine weitere Abstimmung mit der Deutschen Emissionshandelsstelle und den beteiligten Institutionen.
Die Umsetzung der nächsten Schritte erfolgt mit einer Förderung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, in dem Vorhaben 'Methodenentwicklung zum Emissionshandel für die Reduktion klimarelevanter Deponiegasemissionen durch Einsatz der aeroben in situ Stabilisierung in Kombination mit der thermischen Abluftbehandlung (ORKESTRA)'. Das Vorhaben wurde vom Ingenieurbüro für Abfallwirtschaft, Prof. R. Stegmann und Partner (IFAS), beantragt und wird bis 2013 gemeinsam mit der GFA Envest GmbH, Hamburg, und der Deutschen Umwelthilfe e.V., Berlin, umgesetzt.
Die Förderung umfasst die methodische Entwicklung der Deponiebelüftung zur Integration in den Emissionshandel und die Nachweisführung der vermiedenen Methanemissionen unter Einbeziehung einer thermischen Abluftreinigungsstufe.
Mehrere Deponiebetreiber haben bereits Interesse an der Deponiebelüftung und an einer Teilnahme in einem 'Pool' (PoA - Program of Activities) bekundet, um auch auf ihrer Deponie eine Deponiebelüftung sowohl als Klimaschutzmaßnahme als auch zur Verbesserung des Deponieverhaltens durchzuführen.Copyright: | © Verlag Abfall aktuell |
Quelle: | Band 20 - Stilllegung und Nachsorge von Deponien 2011 (Januar 2011) |
Seiten: | 14 |
Preis: | € 0,00 |
Autor: | Dr.-Ing. Kai-Uwe Heyer Dr.-Ing. Karsten Hupe Prof. Dr.-Ing. Rainer Stegmann Dr.-Ing. Marco Ritzkowski |
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