Sie haben die gewohnte Zeitschrift in der Hand, auch wenn sie auf den ersten Blick etwas anders aussieht. 1988 wurde das MüllMagazin gegründet. Im Deutschland des Müllnotstands gab es noch unkontrollierte Abfallablagerungen. Viele Gemeinden hatten vor ihren Toren eine Müllkippe. Wenige große Städte verfügten über eine Müllverbrennungsanlage, entweder aus hygienischen Gründen oder weil kein Platz für eine große Deponie war. Die meisten Müllverbrennungsanlagen wurden noch zu Recht Dreckschleuder genannt. Die Abgasreinigung beschränkte sich oft auf eine Staubabscheidung. Kompostiert wurde gemischter Abfall. Weil die Abluft nicht gereinigt wurde, verbreitete sich oft ein impertinenter Geruch. Das Produkt aus gemischten Siedlungsabfällen sah nur äußerlich wie Kompost aus und enthielt zwangsläufig viele Schadstoffe. Die Akzeptanz neuer Abfallbehandlungsanlagen in der Öffentlichkeit war gleich Null. Das Recyceln beschränkte sich hauptsächlich auf Altpapier und Glas, wenn überhaupt.
Das MüllMagazin griff nicht nur die Missstände auf, die engagierten Autoren zeigten auch Lösungswege. Die Situation hat sich seitdem grundlegend geändert, der Blickwinkel hat sich erweitert, das gesamte Abfallspektrum wird mittlerweile betrachtet. Dazu trug auch die Arbeit dieser Zeitschrift bei.
Die Erkenntnis, dass es so nicht weiter gehen kann, brachte den allmählichen Wandel, auch dank der Gesetzgebung, die ihren Anfang mit dem ersten Abfallbeseitigungsgesetz von 1981 nahm. Damals stand noch die Schließung der vielen unkontrollierten Ablagerungen im Focus.
In Deutschland und in einigen anderen Ländern wurden Konsequenzen aus der Erkenntnis gezogen, dass es zu viele Abfälle gibt, dass die im Abfall vorhandenen Ressourcen genutzt und dass Schadstoffe ausgeschleust und von der Biosphäre abgeschlossen werden müssen.
Abfall kann eine Quelle für Rohstoffe sein, die wieder verwertet werden können, so können primäre Rohstoffe substituiert werden. Was nicht stofflich verwertet werden kann, kann zur Energiegewinnung eingesetzt werden. Die Deponie soll eine untergeordnete Rolle spielen.
Mit dem Umweltbewusstsein haben auch die Ansprüche an die Abfallwirtschaft zugenommen. Das bezieht sich nicht nur auf die Emissionen aus Abfallbehandlungsanlagen. Gefordert werden auch Ressourcen- und Klimaschutz, mit einem Wort: Nachhaltigkeit.
Dies schlägt sich auch in der erweiterten Prioritätenfolge der neuen Abfallrahmenrichtlinie nieder: Vermeidung, Vorbereitung zur Wiederverwendung, Recycling, sonstige Verwertung, zum Beispiel energetische Verwertung, Beseitigung.
Stofflich verwertet werden in Deutschland mehr als sechzig Prozent der Siedlungsabfälle, der Rest wird der energetischen Verwertung zugeführt, nur ein geringer Teil wird deponiert. Die Erfolge sind beachtlich, viel bleibt noch zu tun.
Aus der Abfallwirtschaft kamen und kommen weiterhin Impulse zur Reduzierung des Rohstoff- und Energieverbrauchs, zur Vermeidung von Schadstoffen in Produkten und zur Gestaltung von Erzeugnissen mit dem Ziel der Verbesserung der Recyclingfähigkeit. Das sind auch erklärte Ziele der Umwelt- und Rohstoffpolitik.
Der sparsame und intelligente Umgang mit Ressourcen ist nicht nur ökologisch sinnvoll. Nach Angaben des Bundesumweltministeriums könnten in Deutschland durch den konsequenten Einsatz von effizienten Technologien jährlich 27 bis 60 Milliarden Euro an Material- und Rohstoffkosten eingespart werden.
Nachhaltig ist der Umgang mit Abfällen jedoch erst, wenn wir auf dem als zielführend erkannten Weg weitergehen. Dazu will diese Zeitschrift auch zukünftig beitragen.
Der Titel MüllMagazin erschien nicht mehr zeitgemäß, weil er Anspruch und Inhalt der Zeitschrift nur unvollständig wiedergibt. Ziele einer zukunftsorientierten Rohstoff-, Energie- und Umweltpolitik sollen zukünftig auch im Zeitschriftentitel erkennbar sein. Wir haben uns für ReSource entschieden, weil damit zum Ausdruck kommt, dass Abfälle weitgehend zur Quelle rückgeführt und die primären Quellen geschont werden sollen.
Herausgeber und Redaktion wünschen sich von Ihnen, liebe Leser, dass Sie den neuen Titel so gut akzeptieren wie den bisherigen Titel.
Es grüßt Sie Ihr
Karl J. Thomé-Kozmiensky
Copyright: | © Rhombos Verlag |
Quelle: | Biomasse, Biogas (August 2009) |
Seiten: | 1 |
Preis: | € 0,00 |
Autor: | Prof. Dr.-Ing. habil. Dr. h. c. Karl J. Thomé-Kozmiensky |
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