Die wachsende Forderung nach einer gesicherten umwelt- und klimaverträglichen Kraftstoffversorgung im Verkehrssektor und die infolge Verknappung fossiler Rohstoffe massiven Preissteigerungen führen zur Suche nach alternativen Kraftstoffen nichtfossilen Ursprungs. Auf Grund der hohen Verfügbarkeit werden derzeit insbesondere nachwachsende Rohstoffe (NawaRo) als Rohstoff für die Kraftstoff-produktion genutzt.
Problematisch an der Bereitstellung von NawaRo ist jedoch, dass deren Anbauflächen endlich sind, der Anbau von Monokulturen forciert wird und ein verstärkter Düngemitteleinsatz als Begleiterscheinung unerlässlich ist. Des Weiteren liegt eine Nutzenrivalität der NawaRo bzgl. des Einsatzes in Vergärungsanlagen bzw. Biomassekraftwerken vor. Alternativ zur Nutzung von NawaRo wird in diesem Projekt der Einsatz von Bioabfällen aus der häuslichen Getrenntsammlung zur Kraftstoffproduktion untersucht. Im Jahr 2004 wurden in Deutschland ca. 8,1 Millionen Tonnen Bioabfälle (Bioabfall aus Haushalten, Gärten, Parkanlagen etc.) behandelt [UBA 2006]. Für diese Bioabfallströme werden in Deutschland derzeit zwei verschiedene Behandlungsverfahren eingesetzt: die Kompostierung und die Vergärung. Beide sind jedoch bezüglich des Substrates Bioabfall aus der getrennten Erfassung in Haushalten mit Problemen behaftet, da Bioabfälle teilweise durch eine hohe Kontamination mit Störstoffen charakterisiert sind und damit die Qualität der erzeugten Produkte aus der biologischen Behandlung herabsetzen [DOEDENS, 2005; WIEMER ET AL. 2004]. Daher ist es erstrebenswert alternative Verwertungswege aufzudecken, wie z. B. die Biokraftstoffproduktion. Vorteil für Biokraftstoffproduktion bzgl. des Inputsubtrates Bioabfall ist, dass Bioabfall eine bereits vorhandene Biomassequellen darstellt. Für die Verarbeitung zu Biokraftstoff stellt jedoch die starke Heterogenität und Störstoffbelastung des Bioabfalls ein Problem dar. Daher steht im Focus der Untersuchungen dieses Forschungsprojektes die Entwicklung einer Nassaufbereitungsstufe für Bioabfälle zur Herstellung eines gereinigten Feststoffes, der für eine sich anschließende Biokraftstoffproduktion eingesetzt werden kann. Dabei ist es das Ziel der Untersuchungen, den Einfluss verschiedener Stellgrößen der Nassaufbereitung auf die Stoffverteilung zwischen Flüssig- und Feststoffphase zu untersuchen und damit eine Abschätzung der ökologischen und ökonomischen Eignung dieses Aufbereitungsverfahrens in Hinblick auf einen Einsatz des Feststoffes zur BtL-Produktion durchzuführen.
Copyright: | © Institut für Abfall- und Kreislaufwirtschaft - TU Dresden |
Quelle: | 6. Fachtagung: Anaerobe biologische Abfallbehandlung (September 2008) |
Seiten: | 10 |
Preis: | € 0,00 |
Autor: | Dr.-Ing. Antje Zehm Prof. Dr.-Ing. habil. Dr. h.c. Bernd Bilitewski |
Artikel nach Login kostenfrei anzeigen | |
Artikel weiterempfehlen | |
Artikel nach Login kommentieren |
carboliq® - Direktverölung gemischter Kunststoffabfälle
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH (4/2025)
Die Forderung nach Klimaneutralität dominiert die globale Diskussion über die Zukunft der Industriegesellschaft. Damit einher geht auch die Frage, wie der
Umgang mit Kunststoffen in Zukunft erfolgen wird.
Nutzungskonflikt zwischen Carbon-Capture-Anlagen und Fernwärme?
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH (4/2025)
Die EEW Energy from Waste GmbH (EEW) hat sich das Ziel gesetzt, bis 2045 klimaneutral zu werden. Mit 17 Standorten verfügt EEW über eine Verbrennungskapazität von ca. 5 Millionen Tonnen Abfall pro Jahr.
Abfall- und Kreislaufwirtschaft in Deutschland im internationalen Vergleich - Spitzenplatz oder nur noch Mittelmaß?
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH (4/2025)
Neben der Umstellung der künftigen Energieversorgung auf ein zu 100 % erneuerbares Energiesystem ist die Abfall- und Kreislaufwirtschaft die zweite zentrale Säule im Rahmen der globalen Transformation in eine klimaneutrale Wirtschaft und Gesellschaft.