Generalunternehmer versus Komponentenlieferant

Ob eine Anlage in Losen ausgeschrieben oder an einen Generalunternehmer (GU) vergeben wird, ist eine gern und häufig geführte Diskussion. Dabei ist die endgültige Entscheidung für die eine oder andere Lösung sehr stark von den verantwortlichen Personen abhängig und von den Erfahrungen, die sie entweder selber mit der jeweiligen Alternative gemacht haben oder die ihnen in der Phase der Entscheidungsfindung näher gebracht wurden.
Worum geht es aber letztendlich, aus Sicht des Kunden/Betreibers? Es geht um die Erzielung eines möglichst optimalen Preises, indem Lieferungen auf Lieferanten verteilt werden, die zum einen eine möglichst hohe Wertschöpfung daraus ziehen, indem sie Fremdeinkäufe mit reiner Beaufschlagung vermeiden; und die zum anderen das Risiko der Lieferung bestmöglich abschätzen können und daher keine Angstzuschläge erheben. Dies muss ausbalanciert werden mit der Fähigkeit auf Seiten des Kunden/Betreibers, mehr/weniger Schnittstellen zu koordinieren und Verantwortung zu tragen. Dieser Vortrag kann keine Ideallösung anbieten. Er soll vielmehr die Aspekte aufzeigen, die für die verschiedenen Alternativen entscheidend und zu beachten sind.

Die Frage, ob eine Abfallverbrennungsanlage besser in Losen oder als GU vergeben wird, ist nicht abschließend und eindeutig zu beantworten. Grundsätzlich ist neben der fachspezifischen Bearbeitung der einzelnen Lieferpakete eine übergreifende Projektstruktur zum Management des Projektes notwendig. Welche Art der Vergabe gewählt wird, hängt also stark davon ab, ob der Kunde/Betreiber die Ressourcen für diese übergreifende Projektstruktur im eigenen Haus zur Verfügung hat oder er bereit ist, diese für die Dauer des Projektes extern einzukaufen. Wichtig ist auch die Frage, inwieweit der Kunde/Betreiber Einfluss auf technische Details nehmen will. Nicht aus den Augen verlieren sollte man Überlegungen, wie viele Anbieter man bei der jeweils gewählten Variante zur Auswahl hat. Speziell bei GU-Vergabe sind Fragen zur personellen Kapazität der Lieferanten, der Möglichkeit, die geforderten Bürgschaften zu erbringen, und letztendlich das Risiko einer Insolvenz nicht unwesentlich. Das oben beschriebene skandinavische Modell stellt aus Sicht von Martin eine für beide Parteien optimale und sinnvolle Lösung dar.




Copyright: © Thomé-Kozmiensky Verlag GmbH
Quelle: Planung von Abfallverbrennungsanlagen und Ersatzbrennstoffkraftwerken (2007) (September 2007)
Seiten: 7
Preis: € 0,00
Autor: Dipl.-Phys. Ph.D. Edmund Fleck
 
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