Metallorganische Verbindungen in Biogasanlagen

Die neusten Untersuchen zur Verteilung metall(oid)organischer Verbindungen zeigen immer deutlicher die Bedeutung dieser Substanzen in der Umwelt. Neben dem direkten Eintrag industriell produzierter Stoffe spielen hier vor allem die mikrobiologischen in situ Prozesse durch die Biomethylierung eine entscheidende Rolle. Die Methylierungsprodukte konnten in Gas- und Feststoffproben von verschiedenen biologischen Abfallverwertungsanlagen nachgewiesen werden. Den Substanzen kommt wegen ihrer hohen Mobilität verbunden mit den toxikologischen Eigenschaften eine entsprechende Umweltrelevanz zu.

Zur Gruppe metallorganischer Verbindungen, oder besser metall(oid)organischer Verbindungen, gehören Substanzen, in denen Metalle oder Metalloide mindestens eine direkte Verbindung zu organischem Kohlenstoff aufweisen [Craig and Jenkins; 2000]. Beim organischen Kohlenstoffrest handelt es sich z.B. um Methyl- oder Ethylgruppen. Als Beispiel seien die Verbindungen Bleitetraethyl Pb(CH2CH3)4 (Additiv im verbleiten Benzin) oder das Dimethylquecksilber Hg(CH3)2 genannt. Diese Organometallverbindungen weisen meist eine höhere Mobilität, höhere Bioverfügbarkeit sowie höhere Toxizitäten auf als die entsprechenden anorganischen Spezies [Raabe et al., 2005]. Allerdings liegen hierfür bisher nur wenige Daten vor [Crompton, 1998]. Einige dieser metall(oid)organischen Verbindungen werden industriell im großen Maßstab hergestellt und eingesetzt. Diese finden sich dann auch in der Umwelt wieder. So wurde/wird z.B. Tributylzinn (TBT) als Antifouling-Schiffsanstrich oder als Stabilisator in Kunststoffen eingesetzt. Über die Nahrungskette gelangt es in tierische Organismen und kann als hormonell wirksame Substanz Störungen hervorrufen, die zu Unfruchtbarkeit führen [Hirner et al., 2000].



Copyright: © TU Dresden - Institut für Abfall- und Kreislaufwirtschaft
Quelle: Band 46 - Anaerobe biologische Abfallbehandlung (September 2006)
Seiten: 3
Preis: € 0,00
Autor: Dr. Norbert Hüsers
Prof. Dr. rer. nat. Peter Werner
 
 Artikel nach Login kostenfrei anzeigen
 Artikel weiterempfehlen
 Artikel nach Login kommentieren


Login

ASK - Unser Kooperationspartner
 
 


Unsere content-Partner
zum aktuellen Verzeichnis



Unsere 3 aktuellsten Fachartikel

Stand der Pumpspeicher in Deutschland 2025
© Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (12/2025)
Infolge des Ausbaus der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ist ein erhöhter Speicherbedarf im Stromverbundnetz notwendig. Hierdurch steigt die Bedeutung von Pumpspeichern als bis auf weiteres einzige Möglichkeit für eine großmaßstäbliche Stromspeicherung.

Pumpspeicherkraftwerke - Empfehlungen zur Verkuerzung und Vereinfachung von Genehmigungsverfahren in Deutschland
© Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (12/2025)
Die Genehmigungsverfahren sind sehr komplex sowie mit hohen Kosten und rechtlichen Unsicherheiten verbunden und dauern oftmals mehr als zehn Jahre.

Revitalisierung des Pumpspeicherwerks Happurg - Sanierung des Oberbeckens
© Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (12/2025)
Im Rahmen der Revitalisierung des Pumpspeicherwerks Happurg haben im September 2024 auch die Arbeiten zur Sanierung des zugehörigen Oberbeckens begonnen.