Potenziale zur Abfallvermeidung in Haushalten und Gewerbe

Es gibt Ziele, denen spontan jeder zustimmt. Abfallvermeidung ist ein solches Ziel. Gesetzestexte auf Landes-, Bundes und EU-Ebene führen die Abfallvermeidung als primäres Ziel auf. Es findet sich auf den Informationsseiten der Kommunen genauso wie im Schulunterricht. In der „politischen Präambel“ tausender von Vorträgen wird darauf hingewiesen, dass Abfallvermeidung in jedem Falle zu den besten Wegen zur Umweltentlastung zählt. Und wenn wir beliebige Menschen auf der Straße fragen, ob sie Abfallvermeidung für sinnvoll halten, dann werden wir breite Zustimmung ernten.

Abfallvermeidung ist ein schillernder Begriff und es ist durchaus nicht sicher, dass zwei Menschen, die über das Thema reden, das Gleiche meinen. Durch Abfallvermeidung soll die Abfallmenge reduziert werden. Bezogen auf den Umgang mit Stoffströmen werden dabei durchaus unterschiedliche Strategien als Abfallvermeidung bezeichnet:
- Der vollständige Verzicht auf ein Produkt oder eine Anwendung:
Dies ist gewiss die Kernbedeutung des Begriffs. Wer regelmäßig eine Illustrierte bezieht und diese abbestellt, vermeidet Abfall. Auch wenn er sich das Abonnement mit einem Nachbarn teilt, vermeidet er Abfall.
- Die Reduzierung des Materialaufwandes:
Hier sind wir ebenfalls noch nahe bei der Kernbedeutung von „Abfallvermeidung“. Wenn ein Zweck mit dem Einsatz geringerer Materialmengen erfüllt wird, zum Beispiel indem die Dicke von Kotflügelblechen reduziert wird, dann fällt auch weniger Abfall an. 
- Der Einsatz gebrauchter statt neuer Produkte:
Durch den zweifachen Gebrauch des Produktes, etwa durch den Kauf eines Gebrauchtmöbels, müssen weniger Neuprodukte hergestellt werden. Über die Summe aus der ersten und der zweiten Anwendung wird der Abfallanfall reduziert. 
- Das Recycling von Abfällen:
Hier ist die Situation ähnlich wie bei gebrauchten Produkten. Werden Produkte aus Recyclingware statt aus Neuware hergestellt, dann entsteht über die Summe aus dem ersten und dem zweiten Einsatz des Materials weniger Abfall. Hier wird der Vermeidungsbegriff allerdings schon weiter gefasst. Wenn über Abfallvermeidung gesprochen wird, dann wird nicht selten eigentlich Recycling gemeint.
- Der Einsatz ökologisch weniger problematischer Stoffe:
Diese Strategie fällt noch mehr aus dem Rahmen. Wenn auf Leiterplatten statt konventioneller Lote bleifreie Lote verwendet werden, hat dies auf die Mengen des nach Gebrauch entstehenden Abfalls keinen nennenswerten Einfluss wohl aber auf dessen Qualität. Aus diesem Grunde wird das Vorgehen auch häufig als „qualitative Abfallvermeidung“ bezeichnet.



Copyright: © TU Dresden - Institut für Abfall- und Kreislaufwirtschaft
Quelle: Band 52 - Abfallwirtschaft und Klimaschutz (September 2007)
Seiten: 12
Preis: € 0,00
Autor: Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Rommel
Dr. Siegfried Kreibe
 
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